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Was würde bei einem Blackout geschehen?

Was passiert bei einem Stromausfall? Das Telefon ist tot, die Heizung springt nicht an, warmes Wasser fehlt, der Computer streikt, die Kaffeemaschine bleibt aus, das Licht ist weg. Die Aufzählung können Sie beliebig erweitern. Schnell merken Sie, wie abhängig Sie von elektrischer Energie sind. In seinem Bestseller-Buch „Blackout“ hat Marc Elsberg ein erschreckend realistisches Szenario entwickelt. 

Marc Elsberg über sein Buch “Blackout” – Blanvalet

An einem kalten Februartag brechen in Europa alle Stromnetze zusammen. Der totale Blackout. Der italienische Informatiker Piero Manzano vermutet einen Hackerangriff und versucht, zu den Behörden durchzudringen — erfolglos. Als Europol-Kommissar Bollard ihm endlich zuhört, werden dubiose E-Mails auf seinem Computer gefunden. Selbst unter Verdacht wird Manzano eins klar: Ihr Gegner ist ebenso raffiniert wie gnadenlos. Unterdessen liegt Europa im Dunkeln, und die Menschen stehen vor ihrer größten Herausforderung: Überleben.

In der Regel werden Stromausfälle in wenigen Stunden behoben. Aber es kann in Notsituationen durchaus auch einmal Tage dauern, bis der Strom wieder verfügbar ist, warnt das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe.

Ein Beispiel dafür ist der Stromausfall Ende November 2005 im Münsterland – der bislang folgenreichste Kollaps im deutschen Netz. Am ersten Adventswochenende gingen über dem Nordwesten des Landes starke Schneefälle nieder, die in manchen Regionen bis zu einen halben Meter nassen und schweren Neuschnee zurückließen – zu viel für etliche Hochspannungsmasten. Etwa 80 Masten knickten unter der enormen Schneelast um und ließen so das Stromnetz in 25 Gemeinden zusammenbrechen. Rund 250 000 Menschen blieben nach dem Blackout teils mehrere Tage ohne elektrischen Strom. Erst Wochen später waren alle beschädigten Strommasten repariert.

Die Frage ist nicht, ob es zu einem Blackout kommt, sondern wann

Nach der offiziellen Statistik fällt in Deutschland jeden Tag 472-Mal der Strom aus. Einschlägige Untersuchungen haben gezeigt, dass dabei 90 Prozent der Stromunterbrechungen noch gar nicht erfasst sind. Demnach würden die tatsächlichen Versorgungsstörungen bei rund 4700 Stromausfällen liegen – pro Tag!

Diese Zahl lässt erahnen, dass etwas faul sein muss mit der deutschen Stromversorgung – und tatsächlich haben sich die erforderlichen Eingriffe, um das Stromnetz stabil zu halten, vervielfacht. Denn die Risikofaktoren nehmen mit der Energiewende und steigendem Energiebedarf zu, ebenso Cyber- und Terrorangriffe.

Die Frage ist nicht, ob es zu einem Blackout kommt, sondern wann, sagt T. C. A. Greilichin seinem Buch “Bedrohung Blackout – Wahrscheinlichkeit – Risiken – Vorsorge.”

Mittlerweile sind täglich Eingriffe der Netzbetreiber zur Aufrechterhaltung der Sicherheit und Stabilität des Netzes erforderlich. Oft hatten wir einfach nur Glück, dass es bei kleineren Störungen blieb. Aus diesem Grunde stellt T. C. A. Greilich seinem Buch die These voran: Die Frage ist nicht, ob es zu einem Blackout kommt, sondern wann. Um dies zu belegen, beleuchtet er nicht nur die Risiken, sondern bewertet auch die Wahrscheinlichkeit und gibt einen Überblick über bisherige Vorfälle, deren Ausmaß und Häufigkeit sowie Einschätzungen von Experten, Unternehmens- und Behördenvertretern.

Stromausfälle in Europa und Nordamerika haben in den letzten Jahren einen nachhaltigen Eindruck von der Verletzbarkeit moderner und hochtechnisierter Gesellschaften vermittelt. Obwohl die Stromversorgung allenfalls eine Woche und lokal begrenzt unterbrochen war, zeigten sich bereits massive Funktions- und Versorgungsstörungen, Gefährdungen der öffentlichen Ordnung sowie Schäden in Milliardenhöhe. Welche Folgen ein langandauernder und großflächiger Stromausfall auf die Gesellschaft und ihre Kritischen Infrastrukturen haben könnte und wie Deutschland auf eine solche Großschadenslage vorbereitet ist, wird in dem Buch “Was bei einem Blackout geschieht” aufgezeigt. 

Für das Büro für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag (TAB) haben Forscher das Szenario und seine Auswirkungen untersucht. Sie kamen zu dem Schluss: Ein massiver Blackout wäre eine Katastrophe, die das Leben in Deutschland rasch an seine Grenzen führen würde. Der Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik e.V. (VDE) fasst die wichtigsten Punkte zusammen:

  • Unmittelbar nach dem Stromausfall bleiben Züge stehen und Aufzüge stecken.
  • Die Beleuchtung fällt aus – ebenso Ampeln, was zum Chaos im Straßenverkehr führt. Wer mit seinem Auto in einer Tiefgarage steht, muss warten, bis die blockierenden Schranken abgebaut werden.
  • Elektrisch betriebene Türen hingegen öffnen sich dank automatischer Entriegelung.
  • In gesicherten Bereichen, etwa bei Banken, versagen Schleusen und Videoüberwachung.
  • Die Bildschirme der Fernsehgeräte bleiben schwarz, nur batteriebetriebene Radios sind noch auf Empfang – solange die Rundfunksender mit Notstrom betrieben werden können.
  • Da die für den Datenverkehr nötigen Router ausfallen, lassen sich übers Internet keine Informationen mehr erhalten.
  • Auch die meisten Festnetztelefone funktionieren nicht mehr, das Mobilfunknetz dürfte wegen Überlastung rasch ans Limit geraten.

Die unzureichenden Möglichkeiten zur Information und Kommunikation sehen die Fachleute des TAB als eines der größten Probleme bei einem Blackout. Eine Alternative zu TV und Internet bietet zunächst das Radio im Auto. Das Auto wiederum ist nur noch für eine begrenzte Strecke fahrbereit.

  • Da die Pumpen an den Tanks der Zapfsäulen streiken, gibt es an der Tankstelle bald keinen Treibstoff mehr.
  • Polizei und Feuerwehr sind überlastet, weil sie etwa den Verkehr regeln oder Menschen aus steckengebliebenen Fahrstühlen befreien müssen.

In Krankenhäusern springen nach dem Stromausfall Dieselaggregate an, die wichtige medizinische Geräte mit Notstrom versorgen. Das funktioniert allerdings nur, solange noch Kraftstoff verfügbar ist. In den Kliniken gibt es einen Vorrat an wichtigen Medikamenten, mit dem sich die Notversorgung der Bevölkerung für eine Weile sicherstellen lässt.

  • Weil die Anlagen fürs Be- und Entladen und die Logistik stillstehen, kommt der Warenumschlag in den Häfen rasch zum Erliegen, auch der Betrieb an Flughäfen ruht. Landungen von Flugzeugen sind aber dank Notstrom noch möglich.
  • In den meisten Fabriken und Handwerksbetrieben sowie in vielen anderen Unternehmen muss die Arbeit eingestellt werden.
  • Schwierig wäre die Situation in landwirtschaftlichen Betrieben, die auf elektrischen Strom für Melkmaschinen, automatische Fütterung oder Lüftung in den Ställen angewiesen sind. Dauert der Blackout mehrere Tage an, drohen viele Tiere zu verenden.
  • Da die Kühlung ausfällt und der Nachschub stockt, werden nach einigen Tagen auch die Lebensmittel in den Supermärkten knapp.
  • Was es noch zu kaufen gibt, lässt sich nicht mehr bargeldlos bezahlen. Und auch die Scheine gehen allmählich zur Neige, da Bankautomaten keine mehr hergeben.
  • Im Winter fallen die meisten Heizungen aus, im Sommer die Klimaanlagen. Auch die Versorgung mit Trinkwasser wird ein Problem. Sie basiert vielerorts auf Pumpstationen, die nun nicht mehr laufen.
  • Der fehlende Strom lässt zudem Klärwerke versagen. Abwässer fließen deshalb ungereinigt in Bäche und Flüsse. Zusammen mit dem Mangel an frischem Wasser und dem Ausfall der Toilettenspülung führt das nach einiger Zeit zu schlimmen hygienischen Verhältnissen.

Nach ein bis zwei Wochen ohne elektrische Energie nehmen die Folgen des Blackouts dramatische Dimensionen an:

  • Die meisten Geschäfte müssen schließen, weil sie keine Waren mehr anzubieten haben.
  • Für Trinkwasser, Löschwasser, die Versorgung mit Lebens- und Arzneimitteln sowie den Betrieb medizinischer Geräte muss eine umfassende Notstromversorgung aufgebaut werden. Der Dieselkraftstoff für die dazu genutzten Generatoren und die Transport-Lkw muss teils über weite Strecken herbeigeschafft werden.
  • Auch die Polizei leidet unter Treibstoffmangel und Kommunikationsproblemen – das erleichtert Dieben, Einbrechern und anderen Kriminellen ihr Geschäft.

 
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