Unsere Schulwelt wird zunehmend digitaler

Die Schule wird digitaler

Lernen findet zunehmend virtuell statt, ob als E-Lecture, Massive Open Online Course (MOOC), im „Flipped Classroom“ oder durch Learning Apps. Die Bildungsinstitutionen in Deutschland hinken der Entwicklung zum Beispiel in Südkorea weit hinterher. Dort gabe es bereits 2000 in den Schulen flächendeckend einen Zugang zum Internet.

Digitale Medien sind ein fester Bestandteil unseres Alltags, so dass sie nicht mehr wegzudenken sind. Die Beschäftigung mit Tablet, Smartphone oder dem PC beginnt bereits in der Grundschule (und oft sogar schon im Vorschulalter). Viele Geräte lassen sich so intuitiv bedienen, dass schon Zweijährige blitzschnell begreifen, wie sie eine App auf dem Tablet öffnen können.

Die Bertelsmann Stiftung hat gemeinsam mit dem mmb-Institut für Medien- und Kompetenzforschung den “Monitor Digitale Bildung” ins Leben gerufen, und die unterschiedlichen Ausprägungen digitalen Lernens in Schule, Ausbildung, Hochschule und Weiterbildung erfasst. Die Ergebnisse des Projekts sind in vier separaten Berichten zusammengefasst.
Im Mittelpunkt der dritten Ausgabe des „Monitor Digitale Bildung“, die jetzt veröffentlicht wurde, stehen die Schulen. Bundesweit wurden Schüler, Lehrer, Schulleiter und Experten aus Politik und Verwaltung befragt. Das Ergebnis: Bei pädagogischen Konzepten und technischer Ausstattung gibt es noch einiges zu tun.

 

Schulen

Die im Rahmen der Bertelsmann-Studie befragten Kinder berichteten, dass sie eigene digitale Geräte wie Tablets und Smartphones in der Schule nicht nutzen dürfen. Im Untericht sind sie verboten, auch wenn ein Großteil der Grundschüler bereits mit solchen Geräten ausgestattet ist.

Weil den Grundschulen aber eine Schlüsselposition zukommt, läge es nahe, ein integriertes digitales Lernen zu Hause und in der Schule zu ermöglichen. Die Grundschulen können Medienkompetenz auch bei den Jüngsten solide vermitteln. Sie müssten sich deshalb intensiv damit auseinandersetzen, wie sie solche Medien sinnvoll in den Unterrichtsalltag integriert werden können. Aber die digitale Mediennutzung ist  laut Studie abhängig vom individuellen Engagement der Lehrer und der Schulleitung, das in vielen Fällen fehlt. Umfang und Art des Medieneinsatzes variieren deshalb von Gruppe zu Gruppe stark. Das Spektrum reiche von Lehrervorträgen mit Beamer und Laptop bis hin zum systematischen Einsatz von Tablets oder spielerischen Ansätzen des Programmierens.

Rund 90 Prozent der Schulleiter erwarten, dass Digitalisierung in Zukunft ein fester Bestandteil der Lehrerausbildung werden wird. Die Erfahrung und Kompetenz der Lehrkräfte, aber auch die technische Ausstattung und damit verbundene pädagogische Potenziale sind sehr unterschiedlich. Nur 15 Prozent der Lehrer nutzen digitale Lernformen oft und vielseitig in ihrem Unterricht – immerhin 37 Prozent ab und zu. Dabei ist sich eine Mehrheit von 65 Prozent einig, dass digitale Medien die Arbeit mit leistungsstarken Schülern erleichtern würden. Bei leistungsschwächeren Schülern sind es immerhin 40 Prozent der Lehrkräfte, die einen ähnlichen Nutzen sehen.

 

Schule und Freizeit

In der Freizeit nutzen Grundschulkinder digitale Medien vielfältig. Kindgerechte Angebote zum Lernen und Spielen gibt es frei verfügbar im Internet.

YouTube wird auch von den Jüngsten schon gerne genutzt, um sich zu informieren oder zu unterhalten.
Dazu kommen Computerspiele, die auch dem Lernen dienen. Das sehr beliebte Spiel ♦„Minecraft“ etwa vermittelt Kindern anhand frei positionierbarer Würfel eine Vorstellung von dreidimensionalem Konstruieren.

Einige Kinder diskutierten laut Studie darüber, ob Minecraft wohl ein Lernspiel sei. Zu den häufig genannten Unterhaltungsspielen gehörten auch Lego-Spiele wie ♦„Lego Ninjago“, Fußballspiele wie „FIFA“
und schließlich ♦„Pokèmon Go“.

Ein besonders beliebtes Spiel in dieser Altersgruppe ist „Minecraft“. Mädchen äußerten, dass sie ihre Zeit gern mit Spielen verbringen, die Reit- oder Ponyhofsimulationen bieten. Kinder, die im Unterricht Lernspiele wie ♦ Lernwerkstatt oder Programmieren mit Lego verwenden, nutzen diese Angebote auch zu Hause.

Sehr beliebt sind YouTube-Videos. Neben Sport- und Kinderfilmen schauen sich die Grundschüler auf Youtube Wissensfilme an– zum Beispiel übers Zeichnen oder Tanzen.

Auf kostenpflichtigen Internetstreamingdiensten werden auch gerne Kinderdokumentationen geschaut.
Kostenpflichtige Lernangebote wie „Scoyo“ versuchen die Schüler weitestgehend zu umgehen. In einigen Gruppen betonten die Kinder, dass sie bei Bedarf auf YouTube oder bei verschiedenen Suchmaschinen recherchieren. Einige Eltern haben ihren Kindern offenbar auch einen speziellen Zugang eingerichtet, der
ihnen erlaubt, den vorhandenen Computer oder das Tablet in einem „kindersicheren“ Modus zu nutzen.

 

Zukunft Grundschule

Eltern machen sich zu Recht Gedanken darüber, wann sie ihrem Nachwuchs das erste Handy spendieren
und was es für ein Modell sein soll. Jedes zweite Kind im Alter von sechs bis sieben Jahren sucht wöchentlich im Internet nach schulbezogenen Themen. So das Ergebnis der aktuellen KIM-Studie, die regelmäßig die Mediennutzung von Kindern und Jugendlichen in Deutschland erfragt. Bei Acht- bis Neunjährigen sind es schon 60, bei Zehn- bis Elfjährigen sogar 75 Prozent. Auch das Handy wird
schon in jungen Jahren regelmäßig benutzt: Unter den Sechsjährigen greifen etwa 42 Prozent täglich zum Handy.

Die Einstellungen und die Kompetenzen der Pädagogen gelten als entscheidend für eine erfolgreiche Umsetzung der Digitalisierung an Schulen, sagt Jörg Dräger, Mitglied des Vorstands der Bertelsmann Stiftung. Diese Worte müssten die Schulleiter und Lehrer verinnerlichen, damit der technische Fortschritt sinnvoll in den Schulalltag integriert werden kann. Dazu braucht es sinnvolle Konzepte, regelmäßige Fortbildungen und einen flächendeckenden Ausbau der Infrastruktur.

Die fortschreitende Digitalisierung wird man nicht aufhalten können. Es geht letztendlich um die Vermittlung medienpädagogischer Kompetenz, damit Kinder schon früh sowohl die Gefahren als auch die
Vorteile von Internet und Social Media kennenlernen.

Quellen:

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