Erfrieren für den Klimaschutz?

Bei „Maischberger – Die Woche“ ging es am 9. März 2022 um die Ukraine. Dabei sprach sich Ex-Bundespräsident Joachim Gauck für einen Stopp russischer Gas- und Ölimporte aus – und entkräftete dazugehörige Ängste vor Energieknappheit.

Die Verluste an Wohlstand seien zu ertragen, sagte Gauck. „Wir können auch einmal frieren für die Freiheit. Und wir können auch einmal ein paar Jahre ertragen, dass wir weniger an Lebensglück und Lebensfreude haben.“ Zugleich sei Deutschland ein sozialer Rechtsstaat, der für die am stärksten betroffenen Menschen sorge. „Eine generelle Delle in unserem Wohlstandsleben ist etwas, was Menschen ertragen können. Wir haben andere Probleme ertragen, und wir haben sie bewältigt.“ Der Ex-Bundespräsident sprach den Menschen im Land Mut zu: „Wir verfügen über mehr Kräfte, als wir heute, wenn wir sie noch nicht brauchen, denken.”

Gauck erntete für diesen Ausspruch im Internat Spott und Häme. Mit der missglückten Energiewende hat der Krieg in der Ukraine tatsächlich nichts zu tun.

2012/2013 starben 31.000 Menschen durch Kälte

Mehrere Medien, unter anderem auch die Deutsche Welle, berichteten nach dem Winter 2012/2013 über Tausende von Kältetoten in Großbritannien. Ihre Zahl wurde auf etwa 31.000 geschätzt. Viele davon seien ältere Menschen, die in schlecht gedämmten Häusern lebten, und von exorbitanten Gas- und Strompreisen überrascht wurden. Immer mehr Menschen sahen sich vor die Wahl gestellt, entweder Lebensmittel einzukaufen, oder die Heizung laufen zu lassen.

Die Gewinne der sechs britischen Energieriesen, die 98 Prozent des nationalen Energiebedarfs abdecken, stiegen laut Deutsche Welle 2012 um satte 75 Prozent.

Die Menschen bekamen durch ungeheizte oder schlecht geheizte Wohnungen eine Bronchitis, eine Lungenentzündung, einen Herzinfarkt, die Grippe oder andere Krankheiten und starben daran.

Im Vorfeld der UN-Klimakonferenz 2021 schätzen 3 Forschergruppen die Auswirkungen von nicht-optimalen Temperaturen auf das Sterberisiko.

Kälte ist danach für etwa 10 Mal mehr Todesfälle verantwortlich als Hitze.

Laufzeit der letzten drei Kernkraftkraftwerke könnte verlängert werden

Die deutsche Atomwirtschaft sieht sich in der Lage, die drei letzten Kernkraftwerke so weiter zu betreiben, dass sie schon im kommenden Winter zur Energiesicherheit beitragen. Offiziell werden sie am 31. Dezember 2022 abgeschaltet.

Die Anlagen seien „in sicherheitstechnisch hervorragendem Zustand. Einem weiteren Betrieb stehen keine sicherheits-bezogenen Gründe entgegen.“

Voraussetzung sei, dass der Bundestag „zeitnah“ die Gesetze ändere, dass die Regulierungsbehörden und Gutachter „rasch“ einbezogen würden. Und dass die politischen Entscheidungen „belastbar“ mit Blick auf die nötigen Investitionen seien.

Es wird kalt in Deutschland

Am 31. Dezember 2022 sollen die letzten Kernkraftwerke in Deutschland vom Netz gehen. Zwischen Realisten und Phantasten unter den Grünen und in der Regierung ist ein Streit über eine Laufzeitverlängerung der Kernkraftwerke ausgebrochen.

Am 3. März 2022 berichtet die FAZ, dass die grünen Minister Robert Habeck (Wirtschaft) und Annalena Baerbock (Außenressort) den vorübergehenden Weiterbetrieb von Kohlekraftwerken nicht ausgeschlossen haben. Habeck halte es auch für möglich, dass die letzten drei Kernreaktoren, die eigentlich Ende des Jahres vom Netz gehen sollen, weiterlaufen könnten. Energieversorger, Wirtschaft und mehrere Landesregierungen stehen laut FAZ den Plänen offen gegenüber.

Bundesumweltministerin Steffi Lemke (Grüne) lehnt die Verlängerung ab. „Aus Sicherheitsgründen halte ich eine Laufzeitverlängerung der letzten drei Atomkraftwerke in Deutschland für nicht verantwortbar“, sagte sie am 3. März 2022 der FAZ.

Am 4. März 2022 haben Wirtschaftsminister Habeck (Grüne) und Umweltministerin Lemke (Grüne) laut WELT „nach Abwägung von Nutzen und Risiken“ davon abgeraten, die drei bestehenden Atomkraftwerke länger als geplant zu betreiben.

Bundesregierung nimmt Energieknappheit in Kauf

Der Verband Kerntechnik Deutschland e.V. (KernD) teilte am 8. März 2022 mit: “Weiterbetrieb von deutschen Kernkraftwerken: Bundesregierung schlägt möglichen Beitrag der Kernenergie zur aktuellen Energiesicherheit leider aus”.

In der Pressemitteilung von KernD heißt es:

“Insgesamt ist die Bewertung der Ministerien offenkundig vom bisherigen politischen Willen geprägt, am endgültigen Ausstiegstermin für die Kernenergie in Deutschland festzuhalten, anstatt angesichts der derzeitigen energiewirtschaftlichen Krisensituation zur Absicherung der Energieversorgung jede verfügbare Ressource unter Mitverantwortung für die gesamteuropäische Energiesicherheit heranzuziehen.”


https://www.kernd.de/kernd/presse/pressemitteilungen/2022/2022-03-08_Bundesregierung-schlaegt-Kernenrgie-aus.php

“Fachliche Kommentierung des Prüfvermerks der Bundesregierung „Prüfung des Weiterbetriebs von Atomkraftwerken aufgrund des Ukraine-Kriegs“ durch den Verband Kerntechnik Deutschland e.V. (KernD)
https://bit.ly/36mahlY (pdf)

Titelbild: Bluesnap, pixabay

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